Interrail Tag 3/4: Paris

Bonjour und comment ça vas! Ich habe meine Zeit in Paris in vollen Zügen genossen und bin froh, da gewesen zu sein, auch wenn meine Zeit dort ein relativ böses Ende nahm…

Von Straßburg konnte ich mit einer Reservierung den TGV nach Paris Est nehmen, sodass ich binnen eineinhalb Stunden da war! Hätte ich nur den Nahverkehr genutzt, wäre ich 6 bis 10 Stunden unterwegs gewesen, je nach Verbindung. Die Reservierung hat mich nur 10€ gekostet, in Anbetracht der alternativen Reisezeit also absolut angemessen und zu verschmerzen 🙂

In Paris angekommen kaufte ich mir ein Tagesticket für die Metro, das mich 7,50€ kostete. Mein erstes Ziel war (natürlich) das Katzencafé Paris, Le Café des Chats. Hier standen die Menschen tatsächlich bis auf die Straße vor dem Café Schlange! Das hatte ich noch nie erlebt! Auch ich stellte mich an und musste geschlagene 37 Minuten ausharren, bis ich einen Platz ergatterte. Das Etablissement war unglaublich voll und laut, die Einrichtung recht hager, aber für die Katzen waren genügend Klettermöglichkeiten geschaffen worden. Insgesamt waren die tierischen Insassen aber nicht unbedingt in der Laune, mit den Gästen des Café des Chats auf Tuchfühlung zu gehen. Sie hielten großen Abstand und wichen allen Händen aus, die ihnen beim Vorbeigehen entgegengestreckt wurden. Trotzdem fand ich es schön, die verschiedenen Katzenarten aus der Ferne zu bewundern und ließ ihnen den Freiraum, den sie sich wünschten.

Nach einem aktivierenden Cappuccino lief ich die Straße hinab und entdeckte dabei einen kleinen, süßen Bootshafen, den Port de l’Arsenal. Nachdem ich einige Fotos von dieser wirklich schönen Kulisse gemacht hatte, lief ich zu Fuß zu Notre Dame und bewunderte die Architektur der wunderschönen Kathedrale zum wiederholten Mal, schließlich war dies mein zweiter Paris Aufenthalt. Danach besuchte ich zum ersten Mal Palais Garnier, dessen Innenhof und Garten einfach zum Verweilen und Fotografieren einluden. Ich war hin und weg von der künstlerischen Anrichtung der schwarz-weiß bemalten Podeste.

Direkt gegenüber befindet sich der Louvre, also leicht miteinander zu verbinden, allerdings solltet Ihr für das drittgrößte Museum der Welt einiges an Zeit einplanen! Es gibt ganze Reiseführer nur über den Louvre, über seine verschiedenen Gebäudekomplexe und die 35 Tausend Exponate.

Mein Hotel befand sich in Gehweite des Eiffelturms und es gab eine Metro Station direkt gegenüber des Hoteleingangs. Nachdem ich also eingecheckt und etwas bei einer berühmten Fast Food Kette gegessen hatte, machte ich mich auf den Weg zum Eiffelturm und bestaunte seine Größe und Pracht, die mich für sich einnahm, als wäre ich zum ersten Mal dort.

Wenn Ihr direkt am Eiffelturm seid, werden Euch viele Leute (größtenteils Männer) ansprechen, dass Ihr ja so „pretty“ wärt und sie das dazu bewegen würde, Euch „gratis“ zu zeichnen, etc. Lasst Euch nicht drauf ein, am Ende müsst Ihr doch zahlen und würdet die Zeichnung nicht mal für geschenkt haben wollen. Beim Reisen solltet Ihr Euch wirklich darin üben, Eure Gutgläubigkeit zu verdrängen. Naivität ist hier absolut tödlich!

Vom Palais du Trocadéro habt Ihr einen unglaublich schönen Ausblick auf den Eiffelturm, das solltet Ihr nicht verpassen. Wenn Ihr Glück habt, könnt Ihr hier auch ein paar tolle Fotos von Euch vor der traumhaften Kulisse schießen, doch da der Platz immer sehr überlaufen ist, wird das eventuell schwierig. Kommt am besten ganz früh morgens hier hin, dann habt ihr die besten Chancen!

Ich habe mich dort auf die Mauer gesetzt und auf die volle Stunde gewartet, wenn der Eiffelturm anfängt zu glitzern. Das ist ein so schöner Moment, die Menschen um einen herum freuen sich und fangen an zu jubeln sobald die Lichter über das eiserne Gestell tanzen und ganz Paris von einem glitzerndem Ungetüm dominiert wird.

Am nächsten Tag besuchte ich das Musée d’Orsay. Das Kunstmuseum liegt am südlichen Ufer der Seine und war früher ursprünglich ein Bahnhof. Hier werden 4 Tausend Exponate ausgestellt, aber ich kam nur wegen einer Attraktion hier her: das prachtvolle Zifferblatt der ehemaligen Bahnhofsuhr!
Übrigens kommt Ihr als EU-Bürger bis 26 Jahren umsonst hier hinein!

Danach fuhr ich zum Gare de Lyon, von wo aus die Rue Cremieux leicht zu erreichen ist. Die Straße ist wunderschön anzusehen, da die Häuser alle in pastellfarbenen Tönen gestrichen wurden und die Türen von allerlei Blumen geschmückt sind. Allerdings sollte Euch bewusst sein, dass die Anwohner der Straße nicht zufrieden mit dem Andrang auf Ihre Häuser sind und Ihr schon mal auf den ein oder anderen verärgerten Anwohner stoßen könntet, der dem ganzen Instagram Wahn in seiner Straße ein Ende setzen möchte und es leid ist, dass sich vor seiner Haustür jeden Tag tausende von Menschen tummeln. Es kommt einem vielleicht unwirklich vor, dass in diesen Häusern Menschen wohnen, wirklich darin leben, aber es ist so. Die Straße war ursprünglich nicht für die Touristen gedacht!

Am Abend fuhr ich mit der Metro nach Montmartre, um die Kathedrale Sacre Coer zu bewundern und mich von dort oben mit passendem Ausblick von ganz Paris zu verabschieden, schließlich würde ich an diesem Abend noch nach Porto, Portugal fliegen. Auf dem Weg nach unten zur Metro Station lernte ich noch Nic, einen netten Amerikaner kennen, der mir erzählte, dass er seit einer Woche in Paris war und insgesamt für ein Jahr für einen Universitätsaustausch hier blieb. Wir tauschten Nummern aus, so konnten wir uns irgendwann nochmal in Paris treffen!

Auf dem Weg zum Flughafen passierte allerdings das nicht gänzlich Undenkbare. Mir wurde mein Portemonnaie geklaut. Ich bemerkte es nicht direkt, eher im Abstand von 30-60 Sekunden, da ich mich immer wieder versichere, ob meine Handtasche noch verschlossen und mein Portemonnaie an Ort und Stelle ist. Als jenes aber dann weg war, sah ich mich sofort um und entdeckte den Dieb. Es war eine osteuropäische Frau, die mein Portemonnaie im offenen Zustand gerade über die Absperrung einer Baustelle warf und mir dann direkt ins Gesicht sah. Ich rannte zu Ihr und maulte sie auf englisch an, was das soll und dass ich mein Geld wieder haben wollte. Sie tat auf unschuldig, verstand mich nicht und sagte immer wieder etwas auf französisch, das ich nicht verstand. Sie deutete auf mein Portemonnaie und ich sah, dass alles herausgefallen war und sowohl meine Geldscheine als auch die Münzen herausgenommen worden waren. Ich wiederholte auf Englisch, sie solle mir mein Geld wieder geben, sonst würde ich die Polizei rufen. Bei dem Wort „Police“ erschrak sie dann, rief mehrmals „No, no!“ und rannte weg.

Und ich wusste nicht, was ich machen sollte. Konnte mir nicht erklären, wie sie es geschafft hatte, mir das Portemonnaie unbemerkt aus meiner verschlossenen Handtasche zu klauen. Ich fühlte mich hilflos und fischte mein Portemonnaie aus der Baustelle hervor. Mein ganzes Geld war weg und ich hasste mich selbst dafür, gerade noch in Montmartre Geld abgehoben zu haben. 200€ weg. Ich war geschockt. Mit einem Mal wurde mir die Bitterkeit des Alleinreisens nur allzu bewusst. Niemand konnte mir helfen, ich hatte Angst, musste meinen Flug bekommen. Aber halt, wie denn ohne Personalausweis? Ohne Bankkarte, um irgendwie an Geld zu kommen? Ich sah erneut in mein Portemonnaie und stellte glücklicherweise fest, dass die Diebin sowohl Perso, als auch Bankkarte dringelassen hatte. Ich weinte erst einmal ein bisschen, setzte mich auf den Boden und fühlte mich unendlich allein. Dennoch war ich erleichtert, dass ich nicht gänzlich ohne Geld und ohne ID war, dass mir „nur“ 200€ gestohlen wurden.

Ich rappelte mich also wieder auf und nahm den Bus zum Flughafen. Aber trotzdem hatte mich dieser Vorfall so geschockt, dass ich die ganze Zeit im Bus über wie in Trance war und mir selbst Vorwürfe machte, dass ich nicht anders im Umgang mit der Diebin umgegangen war. Das Gefühl völlig allein und hilflos zu sein grub sich mir in den Magen und mir fiel das Atmen schwer. In dem Moment wollte ich so gern nach Hause, wollte meine Katze an mich drücken und all die schlechten Gefühle vergessen.

Aber ich kam am Flughafen an, biss die Zähne zusammen und dachte daran, dass alles hätte schlimmer enden können, dass ich Glück im Unglück gehabt hatte und mir dies eine Lehre für den restlichen Verlauf meiner Reise war. Allerdings hinterließ dieses Ereignis meinem eigentlich so schönen Aufenthalt in Paris einen bitteren Nachgeschmack. Zurecht.

Ich melde mich aus Porto wieder. Bis dann!

Eure jasmineistraveling


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