Interrail Tag 5/6/7: Porto

Es gibt nicht genügend Vokabeln, die es mir ermöglichen würden, die Stadt Porto zu beschreiben. Es war so wunderschön hier. So perfekt. Die Fassaden der Gebäude waren allesamt mit detailreichen, bemalten und bedruckten Kacheln versehen die den Straßen einen ganz gewissen Glanz verliehen. Die Menschen waren sehr nett und hilfsbereit, schienen alle sehr zufrieden und das Wetter war super, die Sonne schien von morgens bis abends.

Was meinem Aufenthalt in dieser wunderbaren Stadt seinen Feinschliff verpasste, war mein Hostel, The Passenger Hostel, das sich direkt am Bahnhof São Bento befindet. Jenes würde ich Euch für Euren Aufenthalt in Porto wärmstens empfehlen, denn es hat eine perfekte Lage, von der aus man alle wichtigen Attraktionen erreichen kann. Die Ausstattung gleicht jenem eines vier Sterne Hotels und insgesamt war das Hostel unglaublich sauber. Die Zimmer waren riesig, man hatte durch Vorhänge vor den Betten seine Privatsphäre und die Türen und Decken waren super hoch und groß. Außerdem bekam jeder Gast beim Check-In ein Fitbit-ähnliches Armband, mit dem man ins Zimmer kam und seinen persönlichen Schrank öffnen/schließen konnte. Man kann dieses die ganze Zeit anbehalten, es ist wasserfest, sodass Ihr sogar damit duschen könnt!

Aber mal ganz von Anfang an: Um von Paris nach Porto zu kommen, müsstet Ihr mit dem Zug/Fernbus etc. eine Strecke von 1.584 km zurücklegen, was schon mal einen ganzen Tag in Anspruch nimmt. Ich habe deswegen einen günstigen Flug von Ryanair von Paris Beauvais genommen und dafür nur 20€ gezahlt. Unterwegs war ich dann ca. 2 Stunden und kam gegen 23 Uhr am Flughafen in Porto an. Die Anbindung der Stadt zum Flughafen ist super, so musste ich einfach nur die Metro Linie E (auf den meisten Karten die violette Verbindung) nehmen und war binnen 40 Minuten in meinem Hostel.

Dort duschte ich mir erstmal den ganzen Schock und die Aufregung vom Abend ab, schließlich war ich in Paris auf dem Weg zum Flughafen noch bestohlen wurden. Mir gefiel das Hostel wie gesagt sofort, die großen Türen und Decken, die Angestellten, die mir alles erklärten und mich rumfuhren und auch die Waschräume und Gemeinschaftsbäder waren unglaublich groß, schön und luxuriös.

Am nächsten Morgen gab es im Dachstuhl Frühstück für alle und wir verstanden uns alle direkt sehr gut. Viele kamen aus Deutschland aber wir sprachen dennoch auf Englisch miteinander damit uns die anderen auch verstanden. Es gab frisch gepressten Orangensaft und unglaublich viele Aufstriche, die Kaffeeautomaten gaben alle möglichen Sorten an Kaffee heraus. Man konnte alleine oder an Gruppentischen sitzen und ich fand die Atmosphäre hier total erfrischend und erquickend.

Übrigens: Nach vier Tagen in einem Hostel fing ich an, die Menschen um mich herum ganz anders wahrzunehmen. Ich interessierte mich für alles, was jene Personen um mich herum ausmachten. Am liebsten wollte ich über den Verlauf Ihrer Reise genauestens Bescheid wissen. Tatsächlich entwickelt man hier so ein Gemeinschaftsgefühl, dass man sich nicht aneinander stört oder seine Privatsphäre bedroht sieht, nein, man sieht sich als reisende Gemeinschaft, gab sich Tipps und jeder erzählte von seinen Erfahrungen des allein Verreisens. Ich erkannte, dass die meisten hier schon zum vierten oder fünften Mal allein reisten, dass sie es liebten und jede freie Zeit nutzten, um weg zu fahren.

Nach dem Frühstück lief ich zum ersten Mal durch die Straßen Portos, die allesamt so wunderschön waren! Wie anfangs erwähnt, die Fassaden waren geschmückt von farbenfrohen Kacheln und Fliesen. Im Sonnenlicht schien es, als würden die Häuser funkeln! Die für Porto so typische, traditionelle Tram fuhr an mir vorbei und an der Straßenecke saß ein Mann, der portugiesische Musik spielte. Auf dem Weg zur berühmten Capela Das Almas am Praça de Carlos Alberto holte ich mir ein Eis bei Amorinos und während ich es genüsslich aß, musste ich feststellen, dass ich mich doch ziemlich allein fühlte. Das Gefühl zog mich runter und ich setzte mich mit meinem nun in der Sonne stetig tropfenden Eis auf eine Bank, um einem der Straßenmusikanten zuzuhören. Mit niemandem konnte ich diesen Moment teilen. Mit niemandem über das reden, was ich hörte, sah und schmeckte. Es gab nur mich.

Trotz der plötzlich so negativen Gefühle machte ich mich wieder auf den Weg und staunte nicht schlecht, als ich vor der prächtigen Fliesenkunst stand. Insgesamt schmückten diese Kapelle 15.947 Fliesen auf ca. 360 Quadratmetern. Die Bilder dieser Fliesen zeigen den Tod des heiligen Franziskus, das Martyrium der heiligen Katharina und andere Szenen aus dem Leben der Heiligen. Natürlich machte ich hier einige Fotos und musste mir die Kulisse mit einigen anderen Fotobegeisterten Touristen teilen. Es erschien eine ältliche Portugiesin die uns auf Portugiesisch etwas mitteilen wollte, immer wieder auf unsere Kameras deutete und den Kopf wie wild schüttelte. Ich fasste dies als Kritik an unserem vermeintlich respektlosem Verhalten gegenüber der Kirche auf und packte meine Kamera weg. (Ich hatte ja schließlich schon einige gute Fotos geschossen.)

Sie hatte Recht, denn das hier war für die Einwohner wahrscheinlich ein ehrenvoller, religiöser Ort an dem sich nun die Touristen tummelten, um das beste Selfie vor der Fassade zu schießen. Die Situation erinnerte mich an jene in der Rue Cremieux in Paris, als sich die Anwohner über den Touristenandrang auf ihre Straße beschwerten. Wir kommen uns beim Fotografieren solcher Sehenswürdigkeiten so unschuldig vor, aber tatsächlich treten wir mit unserem touristischen Verhalten in fremden Ländern vielen Einheimischen auf die Füße. Das hat mich zum Nachdenken angeregt. Wenn eine Attraktion sehenswürdig ist, bedeutet das, wir sollten sie uns ansehen. Mit den Augen und dem Verstand. Nicht aber sollten wir aus fremden, schönen Orten ein Instagram-Spektakel machen, das uns mehr Klicks und Likes in den sozialen Medien einbringen könnte.

Nun achtsamer machte ich mich dann auf den Weg zur Livraria Lello, eine Buchhandlung, die zu den schönsten ganz Europas zählt. In dem Jugendstilgebäude gibt es eine wunderschöne hölzerne, geschwungene Treppe, die in den offenen Bereich des oberen Stockwerks führt. Hier oben gibt es außerdem eine wunderschöne Decke aus Buntglas, das zu der umwerfenden Schönheit dieser Buchhandlung beiträgt. Seit 2015 wird von Besuchern ein Eintrittsgeld von 5 Euro verlangt, das mit einem Einkauf verrechnet werden kann. Eintrittskarten bekommt ihr im Laden nebenan, bei Armazéns do Castelo.

Als kleiner Tipp: geht erst am Abend kurz vor Schluss in die Buchhandlung, dann ist weniger los. Als ich da war, um ca. 14 Uhr, war es so unendlich voll, dass man keine schönen Fotos machen konnte und sehr geduldig sein musste, wenn man zur anderen Seite des Raumes gelangen wollte, schließlich sind die Gänge so eng, dass man nur hintereinander hergehen konnte. Dass es dort abends leerer sein soll, hat mir meine liebe Freundin Sophie aus dem Hostel erzählt. Leider hatte ich weder Zeit noch die Muße, um noch einmal an einem Abend wiederzukommen.

Um meine Laune wieder etwas zu heben, machte ich mir selbst eine kleine Freude und kaufte mir im Laden nebenan einen wunderschönen Strohhut, der mir unter normalen Umständen etwas zu teuer gewesen wäre, aber hier machte ich mal eine Ausnahme.

Abends lernte ich ein paar richtig nette Leute aus dem Hostel kennen und wir tranken zusammen etwas an der Hostel eigenen Bar. Unser Barkeeper Hugo war voll in seinem Element und mixte uns so einige seiner Eigenkreationen. Irgendwann waren wir dann alle so angetrunken, dass wir das ganze Hostel mit der Karaoke Maschine unterhielten! Ich kann mich vage daran erinnern, dass ich jeden einmal dazu brachte, ins Mikrofon zu miauen und mich dann diebisch darüber freute. Peinlich.

Aber so einen Abend hatte ich gebraucht. Nachdem ich mich so schlecht gefühlt hatte und fast meinen Spaß an der Reise verloren hatte, tat mir das Feiern mit den anderen unglaublich gut. Am nächsten Tag hatte ich meine Reiselust zurück und stieg auf den Glockenturm der Igreja dos Clérigos, dem Torre dos Clérigos, der ganze 76 Meter hoch war. Insgesamt musste ich 225 Stufen überwinden, wurde aber dann mit einer unglaublichen Aussicht über Porto belohnt. Der Eintritt für den Turm kostet 5€. Wer allerdings unter Klaustrophobie leidet, sollte den Aufstieg vermeiden, da dieser, gerade wenn einem Menschen entgegenkommen, unfassbar eng werden kann. Einmal mussten eine Frau und ich uns beim Vorbeigehen so aneinander pressen, dass wir beide fast hinabfielen.

Nach meinem Aufstieg ging es dann hinab, nämlich zum Hafen. Dort angekommen lud mich eine wunderbare Kulisse zum Verweilen ein. Ich mietete mir ein Fahrrad bei Voyager Bikes und konnte für nur 5 Euro 2 Stunden lang fahren, allerdings musste ich dort eine Kaution für das Fahrrad in Höhe von 100€, die ich aber natürlich nach meiner Fahrt wieder bekommen habe.

Mit dem Fahrrad bin ich also an der Küste entlang gefahren, bis zu den Stränden Portos, wo ich dann eine Pause einlegte und mir in einer Strandbar im Sand ein Somersby bestellte. Ich genoss meine Zeit am Meer in vollen Zügen und beobachtete die raue See beim Toben vor der untergehenden Sonne am Horizont. Mein Tag war perfekt.

Nachdem ich mein Fahrrad zurückgegeben hatte, lief ich zu Fuß in die andere Richtung der Küste und fand einige wunderschöne Lokale mit Blick auf die stählerne Brücke, die Ponte Luís I.

An meinem dritten und letzten Tag in Porto besuchte ich das Katzencafe O Porto dos Gatos und war hin und weg von der Einrichtung des Cafés. Die Wände waren geschmückt von Aquarellbildern von den dort lebenden Katzen und die Stühle waren mit ältlichem Textil, auf dem Katzengesichter drauf gestickt waren bestückt. Anders als in den bisherigen Katzencafés in denen ich bisher gewesen bin, war das Café aufgeteilt in einen Restaurantbereich und einen Katzenbereich. Die Katzen hatten die Möglichkeit, auf eine abgesicherte Terrasse zu gehen und hatten innen einen eigenen Raum für sich, der mit Sofas, Regalen und Katzenbäumen ausgestattet war. Ich bestellte mir dort ein Somersby (dieses Getränk hatte es mir auf meiner Reise wirklich angetan) und einen veganen Karotten-Orangen-Schokokuchen, der einfach göttlich war.

Nach meinem Aufenthalt in Porto ging es dann für mich weiter nach Lissabon, von wo aus ich mich als nächstes melde.

Bis dann!

Eure jasmineistraveling


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